Sonntag, 14. Oktober 2007

This was a tough one!!!

Hallo alle zusammen,

das Beste zu aller erst - ich habe es wieder geschafft!!! Jaaaaa!!! 10:18 Stunden harter Abeit liegen hinter mir...ich bin gesund und munter und das ist im Nachhinein das wichtigste von allem, aber der Reihe nach...

...wen allerdings eine harte Ausdrucksweise stört oder den Blog seinen Kindern vorliest, der sollte jetzt nicht weiterlesen, denn ein kann ich Euch sagen...DAS war die härteste Scheisse die ich bisher gemacht habe!!!

Wo soll ich anfangen? Ich denke beim Schwimmen... :-)

Schwimmen war mal wieder sehr hart, obwohl ich rund 3 Minuten schneller war als 2005, bin ich nicht ganz glücklich, denn ich hatte irgendwie keine gute Position finden können, habe ein paar mal versucht daran was zu ändern, aber um mich herum war weit und breit nichts was mich weiter gebracht hätte und so kam ich mir recht geblockt in meinen Möglichkeiten vor. Natürlich gab es wieder mehr als genug Schlägerei, Halten, Ziehen, Treten und was alles (nicht) so dazugehört. Letztlich hab ich mich aber nicht verrückt gemacht und bin halt einfach durchgepaddelt.

Erster Wechsel lief ganz gut...schön unter der Frischwasserdusche durchgerannt um das Salzwasser abzuspülen - denn sonst trocknet es und sorgt den Rest des Tages für große Probleme wenn man sich deswegen wund scheuert...ich also rein in die Radklamotten und raus auf die Strecke - diesmal ohne Sturz gleich beim aufsteigen - man lernt also immernoch dazu! :-)

Der Wettkampf fand natürlich am heissesten Tag der gesamten Woche statt - kein einziges Wölkchen am Himmel, den ganzen Tag und so hatten wir morgens vor dem Schwimmen schon "angenehme" 35 Grad. Auf der Radstrecke waren es dann gute 40 und eigentlich die komplette Strecke - mindestens aber 165km - Gegen- oder Seitenwind. Ich bin also, wie geplant, erstmal sehr verhalten bis zum Wendepunkt nach Hawi gefahren und habe probiert mich gut zu versorgen. Bei meinem letzten Leistungstest haben wir einen Energieumsatz von mehr als 1200 Kalorien pro Stunde bei mir gemessen und die wollen natürlich aufgefüllt werden...

Na auf jeden Fall habe ich mir von Beginn an nicht so doll gefühlt auf dem Rad - wie eigentlich schon die ganze Woche wenn ich recht drüber nachdenke - habe mich aber nicht groß davon beeinflussen lassen. Die 30km Steigung nach Hawi habe ich viele Leute überholt und bin richtig da hochgeballert in der Annahme ich kann mich auf dem Rückweg - bergab - gut versorgen. Aber der Wind war dermaßen stark das man bei guten 60km/h bergab leider den Lenker nicht loslassen konnte! Einmal habe ich es probiert und es hat mich fast zerrissen und ich musste sehr stark Gegenlenken um keinen Abflug zu machen. Dabei habe ich mir leicht die Rückenmuskulatur gezerrt, war aber nicht weiter schlimm - war ja warm - und Wärme tut ja auch gut?! :-)

Danach fing dann mein persönliches Drama an...ab KM 140 konnte ich keine feste Nahrung mehr zu mir nehmen - es ist mir sozusagen wieder "aus dem Gesicht gefallen" wenn Ihr wisst was ich meine? Keine Riegel, kein Gel, keine Salzbrezeln (die ich in meinen Special-Needs-Beutel getan hatte). Scheisse. Ich habe also nurnoch trinken können und auch das ist nicht mehr da geblieben wo's eigentlich hingehört und ich habe es öfter wieder ausgespuckt. Das reicht von der Energieversorgung natürlich nicht aus und sollte sich dann noch bemerkbar machen.

Den Bike-Split bin ich dann zwar zuende gefahren und habe auch probiert mich davon nicht beunruhigen zu lassen. Bin also nach rund 5:18 Stunden auf dem Rad in die Wechselzone gerollt und wollte zu meinem Wechselbeutel rennen, aber meine Beine waren total entkräftet und mein Rücken hat - wie erwartet durch ds neue Rad - doch mehr gelitten als ich dachte - wobei ich mich beim fahren nicht schlecht gefühlt habe, was das anging.

Naja, auf jeden Fall habe ich die 200m zu meinem Beutel in gefühlten 8 Minuten zurückgelegt - oder besser geschlichen und bin nach ruhigem Wechsel auf die Laufstrecke.

Nach rund 1,5km kommt man bei uns am Hotel vorbei und der Gedanke einfach rechts abzubiegen, ins Zimmer zu gehen, sich hinzulegen, die Klimaanlage anzumachen, die Schmerzen zu vergessen war seeeeehr seeeehr verlockend!!! Ich bin aber weitergelaufen und ich habe mich einigermaßen gefangen und ein gutes Tempo gefunden. Eigentlich lief ich recht rund und habe ständig Leute überholt, die mir sogar respektvoll und nett gemeinte Kommentare zugerufen haben wie: "...nice run!", "...good performance..." usw. ...also nicht Zuschauer, sondern Athleten wie ich. DAS ist übrigens eines der schönsten Dinge hier in Kona - bei aller Konkurrenz bei den Quali-Wettbewerben...hier in Kona weiss fast jeder die Leistung des anderen zu würdigen und man gönnt sich das auch...und gestern haben wir alle gelitten!

Na auf jeden Fall ging es mir recht gut bis KM 8 und dann nahm das Tempo von Meter zu Meter ab und die Kraft ging aus mir raus wie man einen Schwamm ausquetscht. Ich habe mich dann zurück zum Hotel geschleppt (kommt man 2x dran vorbei) während mich die ganzen Leute (und noch mehr) die ich überholt hatte, wiederum überholt haben. Am Hotel standen meine Supporter Holger, Manfred und Udo um mich zu filmen und da musste ich stehenbleiben. Es ging nix mehr. Meine Finger und Füße waren taub und ich konnte nicht mehr. Aussteigen war der stärkste Gedanke - eigentlich seit KM 140 auf dem Rad.

1000 Gedanken gingen mir durch den Kopf. Die gesteckten Ziele, der persönliche Ehrgeiz, meine Familie, die Menschen die mir die Daumen drücken, die, die mich hier begleitet haben, einfach alle Leute die meinen Sport mittragen und mich unterstützen und mit Herz dabei sind! Also war Aufgeben keine Option!!! Ich bin also nach kurzer Denkpause erstmal weitergegangen und habe meine Gedanken sortiert und probiert alles ins richtige Verhältnis zueinander zu setzen, mich zu sammeln um dann evtl. nochmal loszulaufen.

Während ich also so spazieren ging, lief neben mir ein niederländischer Leidensgenosse und wir haben uns ein bischen ausgetauscht über unsere Situation. Er ist jemand gewesen, der eine 8:45 als Bestzeit stehen hat und nun auch von Krämpfen und der Enttäuschung geplagt, gehen musste. Er sagte noch: "...today, I'm going for the glow sticks..." (die glow sticks bekommt man, wenn man ins Dunkle hineinläuft und kein sogenannter Daylight-Finisher wird). Wir gingen noch eine Weile (1-2km) und an der nächsten Aid-Station habe ich mich nochmal versorgt und ihm gesagt, dass ich wieder loslaufe. Wir haben uns noch alles Gute gewünscht und ich bin wieder los.

Habe mir ein Tempo gesucht von dem ich der Meinung war, dass ich den Mist mit Anstand zuende bringen kann - schliesslich waren es noch gute 25km UND draussen wartet der Highway und das EnergyLab! Die Perspektive war also nicht so berauschend, aber ich habe mich mit der Situation anrangiert und fing sogar wieder an Leute zu überholen. Die Athleten sind verreckt wie die Fliegen auf dem Highway. Ich habe mich einfach von Aid-Station zu Aid-Station gehangelt...immer Eis in die Mütze und in den Anzug, Cola und Gatorade getrunken, Schwämme und Wasser über den Kopf ausgegossen und immer weiter. So ging das quasi die ganze Zeit. Um mich herum war der ein oder andere mit ähnlicher Situation und wir haben uns gegenseitig Mut gemacht. "...come on...almost there...stay focused, man...!" So ging das recht gut bis KM 40 und da wußte ich das ich's geschafft habe.

Nicole Leder hab ich bei KM 160 auf dem Rad überholt - sie mich irgendwann beim Laufen - ich dann wiederum bei Meile 23 (von 26) im Marathon - und sie hat - wie viele gestern - auch schon besser ausgesehen! :-)

Man kann also sagen, dass das gestern ein echt hartes Ding gewesen ist und ich mehrmals in die Abgründe meiner Seele geblickt habe. Aber schlussendlich habe ich es geschafft und darauf bin ich stolz.

Meine vorher gesteckten Ziele habe ich nicht erreicht (Verbesserung der Platzierung, Zeit unter 10 Stunden, Sub 3:10er Marathon, Schwimmzeit unter 1:10) aber in anbetracht der schwierigen äusseren Bedingungen und der gesamten Situation bin ich sehr froh das ich nicht ausgestiegen bin und einen Tag später fühlt sich das ganze schon viel besser an. Wie ein echter Sieg!

So schaut's aus, so war's, so kam es mir beim Schreiben eben in den Kopf und so hab ich's aufgeschrieben!

Morgen und übermorgen geht der Blog noch weiter, also nicht abschalten!!! :-)

Hang loose!

Michel

6 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Holy shit .....! Michel, erst mal GRATULATION!! Und dicken Respekt! Was Du schreibst, ist echt das härteste, was ich je gelesen hab!

Bei Deinen letzten Rennen hatte man ja bald das Gefühl, Du schwimmst/fährst/läufst das im Schlaf nach Hause und es ist alles nur eine Frage der Endzeit... aber das hier ...!?

Nicht umsonst das härteste Rennen der Welt - aber DU hast es (wieder einmal) gepackt!!! RESPEKT und nochmal GRATULATION!!!

Bianca

Anonym hat gesagt…

Glückwunsch und diepsten Respekt! Ich habe das Rennen bis Nachts 02.00 Uhr in der ARD verfolgt und somit gesehen wie die Wetterbedingungen da waren... Und übrigens, tja Holländer findet mann echt überall, sogar auf ein Leidensweg beim schwersten Rennen der Welt! :-)

Erhole Dich, genieße Hawaii und liebe Grüße an dein tollen Supporter die bestimmt auch mit geleidet haben.

Karin

Anonym hat gesagt…

Ich kann mich Biancas Worten nur anschließen. WAHNSINN!!
Dein "Doping" hat vielleicht doch ein bisschen geholfen (o:
Ganz große Leistung, Herr Port. Sensationell! Und ich hoffe, es hat troztdem wenigstens ein klitzekleines bisschen Spaß gemacht!
So und jetzt gehe ich überall angeben, dass ich dich kenne!

Vreni

Anonym hat gesagt…

Hi Michel, wir haben wie all die vielen Anderen mitgefiebert und diesen härtesten Wahnsinn der Welt mit Dir gemeinsam durchlitten, wobei das im TV Kasperletheater gegen Deine Schilderungen war. Hey Michel...und Du bist der GRÖSSTE!!! diese mörderische Tortur gefinisht zu haben. Uns sind echt die Tränen in die Augen geschossen bei dem, was Du geschrieben hast und wir sind mächtig!!! stolz auf Deine Leistung. Es stimmt wohl doch..."pain is temporary, glory and pride are forever!!!" Wir ziehen voller Respekt und Hochachtung den Hut vor Dir und daß Du das Ding durchgebissen hast. Wow Riiiiesengratulation!!! Wir freuen uns sehr für Dich...und jetzt genieße die Tage auf Big Island und laß es Dir megagut gehen. Liebe Grüße mit einer Riesenvorfreude auf Deinen Live-Bericht at home. Take care & hang loose Silke & Jörg

Anonym hat gesagt…

Hi Eisenmann, HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!!! Das war echt der absolute WAHNSINN. Wir haben auch die ganze Nacht bis 5.00 Uhr morgens alles (auf ARD und Internet)mitverfolgt, mitgefiebert, Daumen gedrückt und alles was dazugehört. Wir glauben Dich im TV gesehen zu haben. RESPEKT!!!
Das war ein absolutes Gänsehaut - Feeling als die Triathleten endlich ins Ziel kamen...
Nochmal Glückwunsch für die großartige Leistung!!!
Genieße Hawaii noch - viele Grüße.

Nadja & Arthur

Anonym hat gesagt…

tiefer respekt, hab dich im netz gesehen wie du über die ziellinie gelaufen bist. war echt ein super gefühl diesen ironmann zu kennen der da gerade glänzt. wir sind echt stolz auf dich, hast echt großes geleistet. geniess die insel und leg die füße hoch.
grüß die anderen suPORTer mal von uns.
heike sascha markus